Please click here http://www.youtube.com/watch?v=UHzAZoQVHxM to view a song recital which was performed on the 11th May 2012. LIEDER AUS LEID songs by Gregers Brinch to texts by victims of the Holocaust. Performed by Jardena Flückiger – Sopran, Jonathan dela Paz Zaens – Baritone, Stephan Aube – Piano.

 

Einführung in Lieder aus Leid.

Etwas zu Hannover im Wort.

Diese Gedichte brauchen Musik!” So lautete der Auftrag, den mir Michael Moll in Frühling 1994 gab. Kurz darauf bekam ich von ihm seine Anthologie Lyrik gegen das Vergessen mitsamt seiner Doktorarbeit (Lyrik in einer entmenschlichten Welt) . Beim ersten Durchblättern der Anthologie viel mir das Gedicht “Ich bin im Wald gesessen” sofort ins Auge. Die Melodie kam mir wie in einem Guss – und auch die Klavier-begleitung kam genauso!

Danach begann ich die Doktorarbeit zu lesen. Diese Arbeit ließ mich verstummen. Die Behandlung von der systematischen Entmenschlichung von Menschen durch andere Menschen brachte mich über die Grenzen meines Verständnis und meines Nachvollziehens – ich fühlte mich schlechthin nicht reif genug um mich diesem Aufrag sofort zu widmen. Trotzdem nahm ich ihn aber sehr ernst und hoffte, mir würden genügend Lebensjahre gewährt bleiben, um einen Punkt in meinem Leben zu erreichen, wo die inneren Umstände eine Fortsetzung des Liederzyklus zuliese. In den Jahren danach komponierte ich eine gute Anzahl von Werken, darunter viele Kammermusikalischen Werke sowohl als auch ein Bratschenkonzert und ein Oratorium zur Geschichte von Elias.

Hinzu war aus Dänemark bereits schon in 1996 ein Auftrag von meiner Schwester gekommen. Sie lebte auf einem Hof, wo sie unter anderem einen kleinen Chor leitete. Sie arbeiteten auf ein 10. Jubiläum hin, und sie beauftragte mich mit der Vertonung von Gedichten von Halfdan Rasmussen. Dieser Dichter ist für seinen Humor, Sprachwitz und seine Kinderreime in Dänemark sehr geliebt, sogar verehrt, und ich kannte und liebte aus meiner Kindheit viele seiner genialen Wortschöpfungen. Die Gedichte aber, die ich nun jetzt in die Hand bekam, zeigten eine sehr tiefgehende Beschäftigung mit der Tragik der Menschheit im 20. Jahrhundert, und ich sah, dass dieser Dichter in jungen Jahren mit seiner Erkenntnisfähigkeit ein Meisterwerk mit der Gleichen Thematik, mit der ich mich beschäftigte geleistet hatte . In der Gedichtesammlung von 1950 kommt er bereits im 5. Gedicht zur Realisation, daß er, insofern er als Mensch das Böse zugelassen hat selber eine Verwirklichung des Bösen sei. Mit einer unglaublich mutigen Konsequenz wiegt er alles Tun und Lassen und beschreibt die Dunkelheit die sich über die Menschheit damals verbreitete. Wie Theodor Adorno äußerte er sich dichterisch über den Sinn der Schönheit. Nicht mit dem Fazit, den wir so gut kennen “…nach Auschwitz keine Lyrik mehr”,also auch keine Schönheit mehr was sehr schwerwiegene Folgen gebracht hat. Nein, er erinnert uns an die Haltung Kristi der auf einem Toten und verderbenden Hund am Strassenrand modernd liegend deutet und darauf aufmerksam macht das selbst wenn der Gestank fast unerträglich ist, kann man die Schönheit der Zähne dennoch bewundern. Sie Sind bewundernswert. Die Schönheit und die kathartische Kraft der Gedichte liegt ein eine anderen Kraft die aber damit verwandt ist. Nämlich die Kraft der Fantasie, die Kraft den unerträgliven Altag auf Abstand zu halten und eine tragende Welt im innern aufbauen, die eine Gegenpol zur täglichen Elend bildet. Die Kraft ist her zu holen wenn mann mitten in den furchbarsten Gestank sich darin übt etwas Bewundernswertes zu finden. Eine Positivität schöpfen. Diese Kraft liegt nicht in der Macht die Äußeren Umstände ändern zu können. Aber unserer lebenshaltung wird durch diese Kraft gereift. Wir werden im unseren Innern gestärkt – um reifend die Prüfungen des Lebens zu durchleben. Diese Kraft die sich in manchen bewundernswerte Menschen verwirklichte, hatte eine grosse Wirkung auf den Menschen in deren unmittelbaren Nähe. Diese Kraft ist insofer dass sie nicht herbeigezwungen werden kann nicht ungleich der Liebe schlechthin, die auch nur aus dem innern des Menschen aus freier Wille hervorgehen kann.

Zur Weihnachten 1998 nach der Aufführung von meinem Elias entstand in mir Wirbelwind des komponierens und ich beschloss anstatt einfachen 3stimmigen Sätze für einen Laienchor zu Komponieren, würde ich meine musikalische Fantasie freie Hand geben und die Besetzung: Kammerchor, Solospopran und Streichquartet bietete mir eine weite Bandbreite und Farben und auch eine Kammermusikalische Intensität, die die gedichte dienten. Später in 2002 erfuhr ich das der Dichter noch am leben war und darauf hin schrieb ich ihn ein Brief und erzählte von meinem Schaffen im stillen Kämmerchen. Zuerst erhielt ich keinen Antwort. Dann entdeckte ich dass sein 87 Geburtstag am 27 Januar gefeiert werden würde und ich entschliess mich ihn zu Gratulieren und fragte zur gleichen Zeit ob er meine Vertonungen erlauben würde und ob ich ihn besuchen dürfe. Er antwortete mir wenigen Tagen vor seinem Tod dass er sich bedanke für meinen Einsatz und freundlichen Worte, aber er sei zu krank und alt mich zu empfangen! Er start am 2 März 2002. Am Jahrestag darauf fandt in Kopenhagen die Uraufführung meiner 11 Lieder zum ersten Abschnitt seiner Gedichtsammlung Erwartung von der Kammerchor des Holmens Kirche under ihren Leiter Ernst Lorentzen mit dem Arion Striechquartet und der Sopran Ditte Höjgaard Andersen statt. Es wurde mir klar dass diese Musikalischen Schöpfungen wertvoll sind und ich wußte das die Lyrischen Gedichte aus der Anthologie von Moll irgendwann drankommen würden. Ich war aber noch nicht so weit.

Davor kam in Sept 2001 einen anderen Auftrag aus Deutschland. Diesmal war das Thema “die Allgemeinen Menschenrechte”. Eine Gruppe von bildenen Künstlern hatte sich über mehrere Jahre der Satzung der Menschenrechte gewidmet, und fanden darin Inspiration zur zahlreichen Werken, Austellungen und Aktionen. Sie suchten einen Komponisten und als meine Werke auf ihrem Radar auftauchten, wurde ich gefragt ob ich zur Präambel derAllgemeinen Menschenrechte Musik komponieren würde, wieder mit der Äußerung “diese Worte brauchen Musik”! Mein Eindruck von der Neubearbeitung des Satzes war, daß es keine musikalische Bearbeitung inspirierte. Dennoch änderte sich innert wenigen Tagen dieses Gefühl, und ich befandt mich in den nächsten drei Wochen wieder in einem schöpferischen Wirbelwind. Das Thema der Menschenrechte trat ja auch unmitttelbar nach dem 2. Weltkrieg erneut in Erscheinung und mir wurde klar, dass sie eine sehr nüchterne Behandlung des Themas des Holocaustes darstellte. Die Inspiration zur Musik für die Menschenrechte für Chor, Solo-tenor, Klavier und Geige kam aus der Kraft der Gedichte und Schicksale aus der Anthologie von Michael Moll mit der ich mich beschäftigt hatte. 5 Aufführungen kamen im Laufe von 2002 und 2003 zu Stande, unter anderem in Bochum vor genau 10 Jahren.

In 2005 erlitt meine Familie und ich tiefgeifende Schicksalsschläge. Aus einem tiefen trauern heraus war ich in eine Lage mich erneut mit den Texten zu beschäftigen und 10 Lieder kamen fast alle über mich wie ein Fieber innerhalb von 6 Wochen. Die für dieses Konzert komponierte Lieder brachte mit sich die Möglichkeit den ganzen Zyklus in eine Art Gleichgewicht zu bringen und ich bin C L zutiefst dankbar dass sie mir den Anlass gab die zu vertonen. In 2008 kam es dazu dass 4 von den Liedern in Laatzen durch die Organisation von Corinna Luedtke aufgeführt wurde. Bei dieser Aufführung war ich nicht anwesend. Michael Moll aber war da und er hielt eine Kurzrede so, dass er an dem ersten Höhepunkt seines Auftrages an mich selber mitwirkend war. Er starb tragischer Weise völlig unwerwartet wenige Monate darauf. Jetzt zum schluss ein Auszug aus seiner Kurzrede von damals.

Von Michael Moll Gregers Brinch hat für seine Vertonungen überwiegend Gedichte ausgewählt, in denen die grausame KZ-Wirklichkeit bewusst verschwiegen oder nur zwischen den Zeilen lebendig ist. Die Gedichte sind ganz wesentlich von ihren Entstehungsorten und ihrer Entstehungszeit geprägt. Das physische Überleben der Insassen hing entscheidend von ihrer seelischen Stabilität ab. Deshalb war die Hoffnung auf eine bessere Zeit – egal ob realistisch oder nicht – überlebenswichtig und oft auch lebensrettend. Manches dargestellte tröstliche Erlebnis, manches unerwartete kleine Ereignis, manches unscheinbare menschliche Verhalten, das uns banal erscheint, war im KZ die ganz große Ausnahme und daher unbedingt erwähnenswert. Das gilt besonders für das Erleben kurzer friedlicher Momente und das Träumen. Unter den Insassen galt es als ungeschriebenes Gesetz, unter keinen Umständen einen Schlafenden zu wecken, denn die Lagerwirklichkeit war schlimmer als der schlimmste Albtraum. Nur in den seltenen Momenten der Ruhe, der Besinnung, im Schlaf, beim Träumen konnte der Einzelne psychisch wieder zu sich selbst kommen. Das Träumen und die meist nur kurzen Momente des Alleinseins in der Situation der permanenten Vermassung wurden zu unerwarteten Glücksmomenten. Deshalb haben viele Autoren in den Lagern gerade solche Momente schriftlich festgehalten. Beim Vertonen der Texte bestand die besondere Schwierigkeiherausfordeung, die extreme Kluft zwischen den Worten der Texte und der zwischen den Zeilen ent-haltenen grausamen KZ-Wirklichkeit musikalisch darzustellen. Denn nur beides zusammen: das im Gedicht mit Worten Gesagte und mit denselben Worten Verschwiegene macht den kompakten Gehalt der Texte aus.

LIEDER AUS LEID“
Liederzyklus von Gregers Brinch
für Sopran, Bassbariton und Klavier.

Gedichte und Texte von Opfern des Dritten Reiches
aus der Anthologie Lyrik gegen das Vergessen
Gesammelt von Dr. Michael Moll

FESTNAHME

Von allem das Entsetzlichste war dies:
Der fremde Mann, der auf der Schwelle stand Und stumm das hassenswerte Schild vorwies.
Das traf, das war wie eine Mörderhand,
Die mir das Messer in die Kehle stieß…
Und als ich einen letzten Blick gesandt
Auf alles Liebe, das zurück ich ließ,
Erlosch die Welt. Und mein Bewußtsein schwandt.

Hans Harbeck


KAMERADIN; WENN DU TRAURIG BIST

Kameradin, wenn du traurig bist,
Denk daran: dein Leid ist nicht verloren,
Denn aus tausend ungeweinten Tränen erst
Wird ein Herz, ein starkes Herz geboren.

Kameradin, wenn du müde bist,
Laß dich tragen, fasse unsere Hände.
Denk daran: nur noch eine kurze Frist,
Und der lange Weg ist dann zu Ende.

Kameradin, halt die Augen offen,
Schau dich um: Du bist hier nicht allein;
Alle, die mit dir vom selben Leid betroffen,
Wollen mit Dir kämpfen wollen deinen Schwestern sein.

Kameradin, Kampf ist unser Ruf!
Kämpfen kann mann nur mit hartem Herzen.
Wenn Dir Kampf und Leid die Freiheit schuf,
Heilt der neue Tag dir alle deine Schmerzen.

Kameradin, schau, die Sonne strahlt
Und die Erde fängt schon an zu beben,
Purpurrot hat sich der Osten angemalt,
Sturm bricht los – es kommt ein neues Leben!


Unbekannte Verfasserin

DACHAU-LIED

Stacheldraht mit Tod geladen ist um unsre Welt gespannt.
Drauf ein Himmel ohne Gnaden sendet Frost und Sonnenbrandt.
Fern von uns sind alle Freuden, fern die Heimat und die Frau,
wenn wir stumm zur Arbeit schreiten, Tausende im Morgengraun.
Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt uund wurden stahlhart dabei:
Sei ein Mann, Kamerad, bleib ein Mensch, Kamerad, mach ganze Arbeit, pack an, Kamerad,
Denn Arbeit, Arbeit macht frei!

Vor der Mündung der Gewehre leben wir Tag und Nacht.
Leben wird uns hier zu Lehre, schwerer als wir`s je gedacht.
Keiner mehr zählt Tag` und Wochen, mancher schon die Jahre nicht,
Und gar viele sind zerbrochen und verloren das Gesicht.
Und wir haben die Losung von Dachau gelernt…

Schlepp den Stein und zieh den Wagen, keine Last sei dir zu schwer.
Der du warst in frühren Tagen bist Heut schon längst nicht mehr.
Stich den Spaten in die Erde, grab dein Mitleid tief hinein,
Und im eignen Schweiße werde selber du zu Stahl und Stein.
Denn wir haben die Losung von Dachau gelernt…

Einst wird die Sirene Künden: auf zum letzten Zählappell!
Draußen dann, wo wir uns finden, bist du Kamerad zur stell`.
Hell wird uns die Freiheit lachen, vorwärts geht`s mit frischem Mut.
Und die Arbeit die wir machen, diese Arbeit, sie wird gut.
Denn wir haben die Losung von Dachau gelernt…

JURA SUYFER

MEIN LIEDCHEN

In Buchenwald rauschen die Bäume traurig. –
Mein Herz singt das stille Lied der Sehnsucht,
Sendet es mit dem Sturm weit in die Heimat.

Wo bist du, Erde, wo bist du geliebtest Land,
Getränkt von dem Blut deiner Söhne?
Die Kreuze und Grabhügel an deinen Wegen
Sehe ich Tag für Tag – jede Nacht im Traum.

Deine Wälder haben mir Märchen zugeraunt,
Deine Bäche mir den Busen gestreichelt, –
Ein kalter Himmel höhnt über mein Los…

O Wind, nimm mein Liedchen mit dir,
In die Heimatlichen polnischen Hütten trag es mir,
Sing am Herd von meiner Qual,
Erinnere an den Gefangenen
In der Welt des Drahtes, der Gitter!

(Für die Zukunft als Erinnerung) Wojtowicz

TRÄUMEREIEN

Wenn am Sonntag hoch im Blauen
Helle Frühlingswolken schweben,
Lieg`ich sinnend zwischen Gräsern,
Spüre, wie das starke Leben
Schnell durch alle Adern rieselt,
Fühl` den Frühlingswind so mild.

Dann packt mich nach dir das Sehnen,
Und ich forme Bild um Bild
Aus den lichten Silberwölkchen,
Die zu meinem Haupte ziehen,
Und es schmerzt mich, wenn ein Windhauch
Sie zerteilet und sie Fliehen.

Wessen Bild ich aus den Wölkchen
Forme, fragst du, und du lächelst fein?
Nun! Das deine, nur das deine,
Kann ja gar nicht anders sein!

Unbekannter Verfasser

AUFZEICHNUNGEN AUS DEM GEFÄNGNIS

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,
Laß doch Deine Treue mich erreichen,
In den Nächten, wo der Glaube weicht,
Laß nicht deine Gnade von mir weichen,
Wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
Wenn mich kalt die Finsternis umweht,
Wollest Du in meiner Not mich finden.
Wenn die Seele wie ein irres Licht
Flackert zwischen Werden und Vergehen,
Wollest Du an meiner Seite stehen.
Wenn ich Deine Hand nicht fassen kann,
Nimm die meine Du in Deine Hände,
Nimm Dich meiner Seele gnädig an,
Führe mich zu einem guten Ende.

Getrost das Leben schreitet
Zum ewgen Leben hin,
Von innrer Glut geweitet
Verklärt sich unser Sinn.

Die Lieb` ist frei gegeben
Und keine Trennung mehr.
Es wogt das volle Leben
Wie ein unendlich Meer –
Nur eine Nacht der Wonne,
Ein ewiges Gedicht –
Und unser aller Sonne
Ist Gottes Angesicht.

Justus Delbrück

WIR HABEN KENNENGELERNT

Wir haben kennengelernt, wie Frost und Sonne brennen,
Wie Not, Schläge, Blut und Hunger schmecken,
Als jene kamen die uns die Freiheit nahmen,
Und sie hinter Stacheldraht und in Fesseln legten.

Ihr wißt doch, wie es auf der Welt zugeht,
Wenn sie sich um einen Leichnam raufen,
Es wird gestohlen, was sich stehlen läßt,
Der Rest ist dann – das Protektorat.

Bohemia, Theaterkollektiv junger Tschechoslowaken“

DER KAMIN

Täglich hinter den Baracken
Seh ich Rauch und Feuer stehn,
Jude, beuge deinen Nacken,
Keiner hier kann dem entgehn.
Siehst du in dem Rauche nicht
Ein verzerrtes Angesicht?
Ruft es nicht voll Spott und Hohn:
Fünf Millionen berg ich schon!
Auschwitz liegt in seiner Hand –
Alles, alles wird verbrannt.

Täglich hinterm Stacheldraht
Steigt die Sonne purpurn auf.
Doch ihr Licht wirkt öd und fad,
Bricht die andre Flamme auf.
Denn das Warme Lebenslicht
Gilt in Auschwitz längst schon nicht.
Blick zur rote Flamme hin, –
Einzig wahr ist der Kamin.
Auschwitz liegt in seiner Hand –
Alles, alles wird verbrannt.


Ruth Klüger 13 Jahre

NIEMAND DENKT AN MICH UND WEIß VON MIR

Niemand denkt an mich und weiß von mir;
Bin so einsam….
21 Jahre und muß unschuldig sterben.
Wie Schade, daß ich die verlassen muß,
Wo ich vom leben noch nichts gesehen habe.
Ich weiß zwar nicht…doch
Sagt man mir, ich lebe.


Unbekannter Verfasser

ICH BIN IM WALD GESESSEN

Ich bin im Wald gesessen
Im Mittagssonnenschein,
Hab` alle Welt vergessen
Und war so recht allein.

Die Bäume ringsumher,
Die sanften Stunden rannen,
Die Zeit war süß und leer.
Ich habe nichts gefühlet
Als Duft und tiefe Ruh`-
Die Sonne hat gespielet,
und Blätter schauten zu.

Vermutlich von Fritz Löhner

GANZ DER WILLE GOTTES

Wenn der Tag sich neigt,
Wenn des Lebens Sonne
Nur noch mattess Glänzen zeigt,
Wenn sie tiefer sinkend,
Nah dem Untergehn,
Ganz der Wille Gottes
Soll auch da geschehen!

Ganz der Wille Gottes!
Ob nach kurzem Pfad,
Ob nach langem Wandern
Diese Stunde naht,
Freunde und Feinde
Mich dann sterben sehen,
Ganz der Wille Gottes
Soll auch da geschehen!

Hermann Lange


WIE DANKE ICH DAFÜR

Wie danke ich dafür,
Daß Gott die Träume Schuf!
Durch diese einzige Tür
Kommst du, Geliebteste, zu mir
auf meines herzens Ruf.

Was soll mir das Gedränge
Des Tags und alle Pein,
Was soll mir noch die Enge
der Mauern im Exil?
Die Nacht, die Nacht allein
Verheißt mir Sinn und Ziel,
Du kommst, Geliebteste, zu mir
Durch diese leise Tür.

Heut Nacht, mein Herz vergaß
Zu schlagen, du tratst ein,
Mit wunden Händen, blaß
Vom langen Einsamsein.
Geliebteste mein Kind.
Sieh, wie wir elend sind.
Ich warf mich hin vor dir,
Beschämt von deinen Wunden.
Da warst du schon entschwunden
Durch die geheime Tür.

Camill Hoffmann

VERGESST NUR NICHT

Vergesst nur nicht, wenn wir auch nimmer wiederkehren,
Wenn, wo wir sterben, einst kein Holzkreuz steht,
Und wenn von all dem Leid, das wir getragen,
Kein Laut noch und kein Stöhnen aus den Gruben weht.

Vergesst nur nicht, wenn auch die Tage wandern und die Jahre,
Wenn Blumen blühen, wo der Tod gesät,
Und wenn dereinst auf unserem Feld der Tränen
Der schnitter wieder reife Halme Mäht!
Auch dann: Vergesst nur nicht!

Peter David Blumenthal-Weiss

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s